Der Weltmeister heißt Island

Im Wettbewerb der erneuerbaren Energien holt sich der Fußball-Zwerg aus dem hohen Norden den Titel

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Dass Island den Weltmeister-Titel in Russland holt, war von vornherein ziemlich unwahrscheinlich. Allerdings hat die kleine Nation mit den großen Fußballern einen Titel bereits in der Tasche: Island ist unter allen 32 teilnehmenden Nationen Weltmeister bei den erneuerbaren Energien. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Uruguay und Costa Rica. Das hat die Agentur für Erneuerbare Energien auf Basis von Zahlen der Internationalen Energieagentur berechnet. Deutschland landet in diesem Vergleich im Mittelfeld.

Grundlage für das Ranking der WM-Teilnehmer sind die Anteile erneuerbarer Energien am Primärenergieangebot und an der Stromproduktion bezogen auf das Jahr 2015. Die knapp 335 000 Isländer decken ihren Strombedarf vollständig mit Wasserkraft und Erdwärme. Unvergessen ist der Schlachtruf der Insulaner bei der EM 2016 in Frankreich. Mit ihrem lautstarken, synchronen „Huh“ und dem rhythmischen Klatschen zeigten sie eindrucksvoll, wie die Fans innere Kräfte mobilisieren können. Und diese Power überträgt sich auf die Mannschaft. Denn ohne Energie läuft auf dem Rasen nichts: Ein Spieler verbraucht während einer Partie rund 6,5 Megajoule, das entspricht ungefähr 1,8 Kilowattstunden (kWh). Dies sind in Summe bei 22 Spielern, einem Unparteiischen und 64 WM-Begegnungen zusammengerechnet knapp 3000 Kilowattstunden – das ist in etwa der Stromverbrauch eines Mehrpersonen-Haushalts in Deutschland.

Neben den Isländern setzen auch die WM-Teilnehmer Costa Rica und Uruguay stark auf regenerative Energien. Die Südamerikaner forcieren seit etwa zehn Jahren massiv die Erneuerbaren – mehr als 50 Prozent des Primärenergieverbrauchs von Uruguay wird regenerativ gedeckt. Alleine Windkraft liefert etwa ein Fünftel des Strombedarfs. Nach dem Vorbild von „Fair Play“ im Fußball trägt Spitzentechnologie anderer Nationen, beispielsweise Windkraftanlagen aus Norddeutschland, zum Erfolg der „Urus“ bei.

Die Weltmeisterschaft der Erneuerbaren beginnt jedoch nicht für alle Teams bei null, denn die Ausgangsbedingungen sind sehr unterschiedlich. So verfügen einige Nationen über natürliche Vorteile, beispielsweise durch große Potenziale an Biomasse, Wasserkraft oder Erdwärme, wie etwa Weltmeister Island. Allerdings sind nicht nur die kleinen ganz groß bei der WM der Erneuerbaren. Mit Brasilien rangiert das bevölkerungsreichste Land unter den 32 Mannschaften, die in Russland gegeneinander antreten, auf Platz vier. Von der Copa Cabana bis zu den Anden dominieren Wasserkraft und Biomasse zur Gewinnung von Strom und Kraftstoffen. Von den europäischen WM-Teams können sich übrigens Dänemark und Schweden über die Top-Platzierungen freuen – die Schweden mussten sich auf dem Rasen zwar in letzter Minute gegen Deutschland geschlagen geben, liegen im Energie-Ranking aber auf Platz sieben und damit klar vor Deutschland mit Rang 15.

(© Text: Thomas Weilacher, Foto: pexels.com mit CC0 Public Domain Lizenz)